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Städtisches Gesamtverkehrskonzept (sGVK) 2011

(Rede im Rat, aus der Erinnerung)

Ich habe meine Bedenken bereits wiederholt angemeldet, z.B. in Planungszone Neu Hegi und muss das nicht wiederholen. Ich widerspreche der von Silvio Stierli (SP) geäusserten Auffassung, dass Winterthur weiter wachsen soll. Wenn Winterthur in der Einwohnerzahl wächst, dann müssen auch Strassen ausgebaut werden. In dem Puunkt bin ich eher auf Seite von Daniel Oswald (SVP).

Ich lehne die Vorstellung ab, dass ein Durchkommen ohne Stau grundsätzlich nicht möglich sein soll. Da braucht es kreative Lösungen.

Das sGVK ist mir nicht innovativ genug. Statt immer mehr zu regulieren, sollte man sich überlegen, ob nicht ein Signalisationsabbau zu fliessenderem Verkehr führen könnte. Doch für solche neuen Ansätze, bräuchte es einen Verkehrssimulator, der das ganze Stadtnetz erfasst, inklusive Autobahnumfahrung. Dies wäre zu überdenken.

Ich gebe nochmals zu Protokoll, was Michael Zeugin (glp) schon sagte, dass meine Zustimmung zum sGVK keinesfalls als Zustimmung für die einzelnen Projekte angesehen werden kann. Wir werden jedes einzelne Projekt, wenn es vorgelegt wird, nochmals separat bewerten und frei darüber entscheiden.

Konkret höre ich über die baumalleegesäumten «Urban Boulevard», wo immer ich das Konzept vorlege, nur die Antwort, um bei einem englischen Ausdruck zu bleiben, das sei ein «No Go». Das Dosierungs-/ Tröpfchensystem lehne ich ab. Allerdings soll es zumindest so moderat angelegt werden, dass es kaum spürbar sein soll. Ich unterstütze die Forderung von Markus Wenger (FDP) die Querung des Bahnhof Grüze auch für den Autoverkehr zu öffnen.

Um beim Aggloprogramm teilnehmen zu können, stimme ich dem sGVK mit den geäusserten Bedenken zu.


Randbemerkung: Daniel Oswald (SVP) schlug noch eine Zentrumsumfahrung vor, welche laut Reto Diener (Grüne) den Verkehr im Zentrum lediglich um 10% entlasten würde. Allerdings zeigen die Erfahrungen aus den Sommerferien, dass gerade diese 10% ein Stauaufkommen verhindern. Von daher ist der Vorschlag zu begrüssen.

Bushaltestelle Zinzikon

Schriftliche Anfrage

Am 20. Juni reichte ich namens unserer glp/Piraten-Fraktion eine schriftliche Anfrage zur Bushaltestelle Zinzikon in Oberwiterthur ein, mit dem folgenden Wortlaut:


Bereits vor einigen Jahren ereignete sich ein Vandalenakt an der Bushaltestelle Zinzikon, bei welchem die Telefonkabine ausbrannte. Bis heute sind die Spuren nicht beseitigt, trotz Beschwerden aus der Bevölkerung.

Daher drängen sich einige Fragen an den Stadtrat auf:

  1. Warum geschieht jahrelang nichts?
  2. Vandalenspuren sollten schnellstmöglich entfernt werden, um weitere Aktionen zu verhindern und um zu verhindern, dass sich der Vandale ein Denkmal schafft. Warum funktionierte das nicht bei der Bushaltestelle Zinzikon?
  3. Es ist klar, dass es heute im Zeitalter der Mobiltelefone kaum mehr einen Ersatz für eine Telefonkabine braucht. Aber könnte man nicht wenigstens als billigste Zwischenlösung bis zu einem definitiven Entscheid den Eingang zur Telefonkabine, das schwarze Loch, geeignet verschliessen?
  4. Bis wann sind welche weiteren Massnahmen geplant?

Zur Illustration noch die Bilder des Oberwinterthurer «Schandflecks»:


Wirkung

Am 16. August erhielt ich von Maria Jenzer, der Präsidentin des Ortsvereins Oberwinterthur folgendes Foto zugeschickt:

Die schriftliche Anfrage hat in nur zwei Monaten bewirkt, dass die Beschädigungen, wie gefordert abgedeckt und neu gestrichen werden.

Fazit

Die schriftliche Anfrage hat in kurzer Zeit bewegt, was vorher jahrelang liegen blieb. Bleibt als schaler Nachgeschmack nur, dass eine Intervention seitens eines Gemeinderats notwendig war und jahrelang die Beschwerden vom Ortsverein ungehört verhallten.

Die Antwort des Stadtrats ist nun eingetroffen: GGR-Nr. 2011/068. Immerhin wird den Oberwinterthurern nun für 2013 eine komplett neue Haltestelle in Aussicht gestellt. Warum allerdings vom Vandalenakt bis zur Pinselrenovation trotz wiederholtem Protest aus dem Ortsverein so viele Jahre verstreichen mussten, bleibt ungeklärt. Offen bleibt auch, ob der Stadtrat künftig schneller und sensibler auf Beschwerden aus der Bevölkerung reagieren wird.

Planungszone Neu Hegi

Der Stadtrat wünscht einen Planungskredit von 1,5 Millionen Franken, um die Zukunft der Industrie Hegi zu planen. Dem Stadtrat schwebt ein zweites Stadtzentrum vor: Weisung GGR 2011-059

Aus Sicht der Bewohner von Hegi ist vor allem folgenden Punkten besonderes Augenmerk zu schenken:

1. Weitsichtige Planung der Infrastruktur für neue Einwohner

Bei früheren Bauten hat man es versäumt, rechtzeitig an Schulhäuser, Kindergärten und Kinderhorte zu denken. Jetzt hat die Planung eines Schulhauses in Hegi gerade erst begonnen. Diesen Fehler darf man nicht wiederholen. Das in der Planung befindliche Schulhaus Neuhegi mit seiner Dreifachturnhalle deckt gerade mal den heute dringend benötigten Bedarf ab. Falls nun weitere Wohnungen im grossen Stil geplant sind, braucht es nochmals ein weiteres Schulhaus, das in der Planungszone zu berücksichtigen ist. Ebenso dürfen weitere Infrastrukturbauten nicht vergessen werden. Nebst Schulen, turnhallen Kindergärten, Kinderhorten muss man auch prüfen, ob nicht ein weiteres Schwimmbad angebracht wäre. Zum Beispiel fehlt Winterthur noch immer ein richtiges Hallenbad. Das Geiselweid strotzt nur so von Mängeln und die Planung von Provisorien, namentlich einer Abdeckung für das Aussenbad, geht munter weiter. Allenfalls könnte man auch einen offenen Schwimmteich im grosszügig angelegten Eulachpark vorsehen, wo uns doch der Winterthurer See verwehrt blieb.

2. Planung der Verkehrssituation

Anbindung von Hegi an Rest-Winterthur

Egal, was nun noch kommen soll, ob Gewerbe oder Wohnen, die Strassen sind bereits heute überlastet und es braucht schnellstmöglich Lösungen für den motorisierten Individualverkehr. Eine verkehrsintensive Nutzung verträgt das Quartier nicht und keinesfalls darf ein weiterer Grossmarkt in dieser Gegend gebaut werden. An den auf der Karte gelb markierten Punkten hat der Stau in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zugenommen, eine Entlastung ist nicht in Sicht:

Karte mit den neuralgischen Punkten

Man kann nicht alles auf den öffentlichen Verkehr abwälzen, auch der motorisierte Individualverkehr muss angemessen berücksichtigt werden. Der Gegenvorschlag zur Städteinitiative erlaubt ja bekanntlich ausdrücklich den Kapazitätsausbau für die Entwicklungszone Neu Hegi. Die Anbindung von Hegi an die anderen Quartiere wird immer schlechter. Hier erwarte ich von der Planung gute Antworten. Mein Vorschlag ist es nach wie vor, die St. Gallerstrasse zur Anbindung von Hegi an das Stadtzentrum zu nutzen. Dafür braucht es geeignete Zufahrten und eine Autounterführung bei der Kehrichtverbrennungsanlage, auf der Karte rot markiert. Die Strasse selbst ist vorhanden und könnte genutzt werden.

Anbindung von Hegi an die Autobahn

Soweit ich verstanden habe, will der Stadtrat ausschliesslich die Anbindung von Hegi an die Autobahn prüfen, durch eine Entlastungsstrasse, deren Verlauf noch in den Wolken liegt. Tatsächlich gibt es bereits eine Entlastungsstrasse, nämlich die «Buckelpiste» genannte Birchwaldstrasse vom Schloss Hegi nach Wiesendangen, auf der folgenden Karte rot eingezeichnet:

Die Autobahnzufahrt über die «Buckelpiste»

Diese wird aber vor allem von Quartierfremdem Verkehr als Umfahrung missbraucht, weil die Frauenfelderstrasse notorisch überlastet ist. Das führt im gelb markierten Bereich zu massivem unerwünschtem und unnötigem Mehrverkehr in unserem Quartier. Wir Hegemer befürchten, dass eine neue Autobahnzufahrt vor allem noch mehr Schleichverkehr bringt.

Hinzu kommt, dass ein schneller Zugang zur A1 wenig hilft, wenn sich dann die Umfahrung von Winterthur regelmässig staut. Für uns ist es gerade jetzt aktuell angesichts der Dauerbaustellen auf der Autobahn keine Lösung, den Anschluss an die Autobahneinfahrt Oberwinterthur zu verbessern. Wer heute von Hegi nach Zürich will, fährt besser über die Zürcherstrasse in Töss. Das war nicht immer so. Auch hier erwarte ich eine umfassende Berücksichtigung bei der Planung. Ob es nun wirklich eine sechsspurige Umfahrung um Winterthur braucht, oder ob es reichen würde, in den Stosszeiten auf der A1 der Pannenstreifen zu bewirtschaften, sei den Planern überlassen. Der Stadtrat sollte aber auch innerhalb der Stadtverwaltung für den Expressanschluss an Oberwinterthur werben, denn seit wir 1999 nach Hegi gezogen sind, musste ich gleich zweimal eine Einsprache in derselben Sache gegen das Winterthurer Gemeindesteueramt führen: Ich bestand darauf, die Stadt zu umfahren und in Oberwinterthur auf die Autobahn zu fahren, während das Steueramt mir nur die Kilometer quer durch die Stadt und die Zürcherstrasse zugestehen wollte. Ich habe zweimal beim Kanton gewonnen, aber mühsam war es trotzdem. Wenn der Stadtrat folglich plant, soll er alle Verwaltungsstellen in die Planung mit einbeziehen, um solche Querschläger zu verhindern.

Eine Autobahnentlastungsstrasse nach Neu Hegi, einfach irgendwie irgendwo durch, ohne klare Berücksichtigung der Folgen darf keinesfalls gebaut werden. Ebenso darf man die Anbindung von Hegi an die umliegenden Quartiere nicht vernachlässigen. Und für die notorisch überlasteten Stellen braucht es jetzt und heute gute Lösungen für den motorisieren Individualverkehr.

Nachbericht zum Postulat OpenSource an der Oberstufe

Geschichte

  1. Dringliches Postulat mit 88% Zustimmung überwiesen:
    OpenSource an der Winterthurer Oberstufe
  2. Nachbericht 68% Zustimmung wegen unbefriedigender Antwort des Stadtrats verlangt:
    Antwort zum dringlichen Postulat «OpenSource an der Oberstufe»
  3. Dies ist der Blog zum Nachbericht.
  4. Der Nachbericht des Stadtrats wurde am 29.08.2011 mit grossem Mehr ablehnend zu Kenntnis genommen.
  5. Damit ist das Thema erledigt. Weiterführende Massnahmen sind in Vorbereitung.

Die Stadt sollte den Einsatz von OpenSource an der Oberstufe auf Basis von Linux prüfen. Resultat: OpenSource ist sehr vorteilhaft, wird auch verwendet aber wegen der Abhängigkeit von Lehrmitteln, die nur unter Windows und Mac laufen, kann Linux nicht eingesetzt werden.

Darauf hin wurde ein Nachbericht verlangt, mit der Frage, welche Kostenfolgen und Einsparungen ein Umstieg auf Linux bringen würde. Wie zu erwarten, hat der Stadtrat versucht, Linux teuer zu rechnen und die ausgewiesenen Kosten der Mac-Alternative tief zu halten.

Am 29.08.2011 wurde der Nachbericht mit folgendem Resultat erledigt: Ablehnende Kenntnisnahme mit grossem Mehr durch die Fraktionen glp/Piraten, Grüne/AL, SP, EVP, FDP. Für den Stadtrat stimmten nur CVP und SVP. Dies ist das dritte Mal, wo sich der Rat mit deutlichem Mehr gegen den Stadtrat für OpenSource durchgesetzt hat. Es ist zu hoffen, dass dieser Erfolg nicht ohne Wirkung in der Verwaltung bleibt.

Artikel zum Nachbericht im Landboten:

Votum im Rat

Bei diesem Votum handelt es sich um eine stark gekürzte Fassung meines Berichts in diesem Blog. Die detaillierten Ausführungen stehen weiter unten, ich habe sie den Fraktionen, die das Postulat unterstützt hatten, bereits zukommen lassen. Ich bitte die involvierten Stellen vom DSS und den IDW, den detailierten Teil zu lesen. Im Rat gehe ich nur verkürzt auf die wichtigsten drei Punkte ein:

1. Der Vergleich ist nicht korrekt, es werden Posten bei der Variante Linux gerechnet, die bei der Variante Mac auch gerechnet werden müssten, andere Einflüsse, die für Linux sprechen würden, sind gar nicht aufgeführt.

Es ist unrealistisch anzunehmen, ein Betriebssystem halte zehn Jahre. Tatsächlich ist der Posten Betriebssystem beim Mac für zehn Jahre auf Null Franken angesetzt. Doch das Mac OS-X gibt es nicht gratis. Gerade wenn man mit dem Computer regelmässig im Internet, muss man das System auch aktuell halten, und das kostet Geld und Arbeit.

Eine Schulung ist nur für die Linuxvariante geplant. Tatsächlich aber ist Schulung keine einmalige Angelegenheit, sondern muss laufend erfolgen, sowohl mit Linux, wie auch mit Mac. Diese Kosten fallen bei beiden Varianten in etwa in gleicher Höhe an.

Der Support von Linux ist überhaupt nicht komplizierter, als bei Mac-OSX, im Gegenteil. Wenn der Support sich einmal umgewöhnt hat und er professionell aufgesetzt ist, ist die Wartung von Linux einfacher und damit billiger, als die Wartung von Mac oder Windows. Es ist nicht gerechtfertigt, hier bei Linux höhere Kosten anzusetzen. In beiden Fällen müssen die IDW zwei Systeme unterstützen, sowohl Mac oder Linux, wie auch Windows. Ein kleiner Zusatzaufwand fällt da in beiden Varianten an.

Wenn man diese Korrekturen ansetzt, kommt man auf eine Ersparnis von ca. 81.000 Fr. für Linux in zehn Jahren. Damit hat man aber die Migrationskosten voll bezahlt und kann künftig von den kostenlosen Lizenzen unde den Vorzügen freier Software profitieren.

Für Linux spricht allerdings auch, dass es auch auf kostengünstiger Hardware läuft, anders als Mac OS-X, welches nur auf teuren Apple Computern lauffähig ist. Da die Computer zum Teil in sehr schlechtem Zustand sind, werden kaum alle noch zehn Jahre halten. Konkret habe ich in einem Schulzimmer einen Mac mit offensichtlich defekter Grafikkarte beobachtet. Wenn sie ersetzt werden müssen, dann wird hier die Mac Variante deutlich mehr kosten, als die Linux Variante.

2. Linux kostet rein gar nichts an Lizenzen, bedingt aber einen kleinen einmaligen Umstiegsaufwand in Höhe 150.000 Franken. Dem stehen wiederkehrende Lizenzkosten in Höhe von 231.000 Franken gegenüber. Bei Lizenzkosten bezahlt man für etwas, was es bei Linux gratis gibt. Alle weiteren Kosten, wie Wartung, Schulung und Support fallen bei allen Lösungen gleichermassen an, bei Linux, wie auch auch bei Mac oder Windows. Lizenzkosten sind Gelder, die abfliessen, sie gehen zu Apple und Microsoft, welche vorwiegend im Ausland entwickeln. Der lokalen Wirtschaft bleibt nichts davon. Anders die Kosten bei Linux: Sie gehen vollumfänglich in den lokalen Support, in lokale Entwicklung und in Schulung. Das alles sind auch Investitionen in unsere Wirtschaft. Linux ist daher nicht nur billiger, es ist auch nachhaltig.

3. Weitere Optionen wurden gar nicht geprüft und nicht bewertet, dabei könnte man gerade mit Linux sehr viel Geld bei der Administration und der Hardware sparen. Zur einfachen Administration kann man einen zentralen Updateserver einrichten, der sämtliche Clients jederzeit mit aktueller Software versorgt, sobald diese ins Internet gehen. Hardwareseitig kann man mit ThinClients viel Geld sparen, also ganz billigen Computern, die ihre Dienste von einem Server beziehen. Brasilien hat all seine Schulen auf eine solche Lösung mit Linux als Basis umgestellt. Es wurde auch nicht geprüft, ob nicht der Kanton und die Lehrmittelverlage einbezogen werden könnten, um für die Bereitstellung von Linuxprogrammen zu sorgen, statt dass die Stadt auf eigene Rechnung etwas bereit stellt. Hier liegt das grösste Potential: Die Stadt muss vom Kanton nachdrücklich verlangen, dass dieser sie nicht beim Einsatz von Linux behindert.

Nebenbei ist zu bemerken, dass es nach dem Bericht danach aussieht, als wollten die Schulen demnächst ein Bildbearbeitung anschaffen. Da gibt es aber gar keinen Grund, nicht OpenSource zu verwenden. Es gibt eine grosse Auswahl an OpenSource Bildbearbeitungsprogrammen, von denen die meisten auch unter Mac OS-X laufen.

Alles in allem zeigt sich, dass es der Verwaltung nur darum ging, die Ablehnung der Variante Linux nochmals zu begründen. Tatsächlich aber hat der Gemeinderat nun schon zweimal gezeigt, dass er gewillt ist, die Optionen, die ihm OpenSource bietet, vertieft zu prüfen und wahr zu nehmen. Die Verwaltung hat das offenbar noch nicht verstanden. Die Qualität des Berichts ist ungenügend. Aus diesem Grund bitten wir darum, vom Bericht ablehnend Kenntnis zu nehmen und das Postulat damit abzuschreiben.

Nun gilt es, die Lehren aus dem Vorstoss zu ziehen:

  • OpenSource kann auf jedem Server und an jedem Arbeitsplatz eingesetzt werden. Die IDW sollen in Fragen zu OpenSource eine führende Rolle übernehmen.
    • Die Kompetenz für Linux und OpenSource soll überall in der Verwaltung gezielt gefördert und aufgebaut werden.
    • Künftig soll der Einsatz von OpenSource in allen Varianten ernsthaft geprüft werden, und zwar in Szenarien, dass die Vorteile von OpenSource auch tatsächlich genutzt werden können.
    • Die reduzierten Hardwareanforderungen von Linux, und die dadurch notwendigen Einsparungen sind zu berücksichtigen, wenn es um die Beschaffung neuer Computer geht.
  • Bestehende Hemmnisse und störende Rahmenbedingungen sollen nach und nach beseitigt werden:
    • Künftig soll nur noch zu Linux kompatible Hard- und Software angeschafft werden.
    • Austauschformate sollen offen und plattformneutral spezifiziert werden.
    • Wenn Weisungen des Kantons oder Programme der Lehrmittelverlage weiterhin dem Einsatz von OpenSource im Wege stehen, soll die Stadtregierung intervenieren und Protest einlegen.
  • Bei künftigen Beschaffungen soll OpenSource oben auf der Liste stehen, insbesondere sollen keine neuen Lizenzen mehr eingekauft oder bestehende verlänger werden:
    • Bei Berechnungen sollen künftig alle Kosten und alle Einsparmöglichkeiten einfliessen.
    • Als Bildverarbeitung an der Oberstufe ist ein OpenSource-Produkt zu wählen und so 51.800 Franken zu sparen.
    • Beim nächsten Office-Update irgend einer Verwaltungsstelle soll nach OpenOffice migriert werden.
    • Beim nächsten Betriebssystem-Update irgend einer Verwaltungsstelle soll Linux nochmals eingehend geprpüft werden.

Detaillierter Kommentar

Der Ergänzungsbericht weist gravierende Mängel auf.

Unter Einsparung Lizenzkosten wurden 147.000 Franken für den Mac 70.000 Franken für Linux gegenübergestellt. Dieser Vergleich ist falsch. Die 70.000 Franken, die später näher ausgeführt werden, sind Einrichtungskosten und keine Lizenzkosten. Tatsächlich stehen in diesem Vergleich 147.000 Franken auf Macseite Null Franken auf Linuxseite gegenüber. Linux verursacht keinerlei Lizenzkosten, aber das ist nicht der einzige Vorteil, wie wir gleich noch sehen werden.

Dafür fehlt auf Macseite der Posten für die Lizenzkosten des Betriebssystems. Ich habe einen Preis für Volumenlizenzen von Mac-OSX für Schulen gegoogelt und 50€ gefunden, also grosszügig gerechnet 60 Franken. Damit kosten die Mac-OSX-Lizenzen 42.000 Franken auf zehn Jahre gerechnet. Ein Betrag, den ich viel höher schätze, weil eine Betriebssystemaktualisierung aus Sicherheitsgründen nur alle zehn Jahre unrealistisch ist, wie ich später noch ausführen werde. Eine Lebensdauer von fünf oder eher noch vier Jahren ist realistischer. Das führt zu 84.000 Franken in zehn Jahren.

Damit steht es 231.000 Franken zu Null.

Lizenzvergleich
Mac Seite

Softwarelizenzen für das Mac-OS wurden nicht gerechnet, das bedeutet, dass geplant wäre, auf zehn Jahre hinaus keine Betriebssystemaktualisierung durchzuführen. Das ist schlicht unrealistisch. Ausserdem müssen über einen Planungszeitraum von Zehn Jahren auch die Betriebssystemkosten einmal gerechnet werden und nicht dürfen nicht einfach leer gelassen werden. Mac OS-X ist nicht gratis, im Gegenteil: Jedes grosse Update kostet Geld (und Zeit). Ausserdem wird eine alte Mac OS-X Version nicht zehn Jahre lang gepflegt und gewartet, Sicherheitslücken werden nicht zehn Jahre lang geschlossen, was ein vorzeitiges Update zwingend notwendig macht, insbesondere wenn man sich mit dem Computer auch im Internet bewegt und viele verschiedene Personen (Schüler) Zugriff haben.

Aus der Aufführung von 700 Softwarelizenzen für Office und Bildbearbeitung schliesse ich, dass hier unmittelbar geplant ist, neue Lizenzen zu kaufen. Wenn aber neue Software gekauft wird, gibt es Umstellungen, das heisst konkret Anpassungs- und Schulungskosten. Allerdings wurden nur Anpassungs- und Schulungskosten für Linux gerechnet, nicht aber für Mac. Hier liegt offensichtlich ein weiterer Fehler in der Aufstellung. Der Umstieg auf eine neue Officeversion ist genau der geeignete Zeitpunkt, um mit minimalsten Zusatzkosten auf OpenOffice zu migrieren. Da ohnehin Kosten anfallen, geht es nicht mehr um den absoluten Betrag, sondern nur noch um die kleine Differenz, um die der Umstieg auf eine andere Software ausmacht. Dafür werden nach dieser einmaligen Investition die kommenden Updates auf neue OpenOffice-Versionen nicht mehr kosten, als die bisherigen Updates innerhalb von Microsoft Office. Im Gegenteil, es fallen nie wieder Lizenzkosten an, wohingegen jeder langjährige Microsoftnutzer bestätigen kann, dass auch Updates innerhalb von MS-Office nicht problemlos sind und immer wieder Dokumente nach dem Update anders aussehen.

Eine Bildbearbeitung hingegen ist heute bei den Schulen nach meiner Information nicht in Betrieb. Hier käme für 51.800 Franken eine neue Software auf die Macs. Allerdings wurden auch hier die Schulungskosten vergessen. Je nachdem, was für eine Software das sein soll braucht es mehr oder weniger Schulungskosten, die nicht gerechnet sind. Gerade Adobe Photoshop ist mindestens so komplex, wie GIMP. Daneben gibt es aber etliche simple OpenSource Zeichnungsprogramme, die kaum einen Lernaufwand verursachen.

Hardwarekosten wurden nicht berücksichtigt, sind aber auch ein bedeutender Budgetposten. Die bestehenden Macs sind zum Teil in erbärmlichem Zustand. Z.B. betreibt konkret die Sek. 2B in Wülflingen einen Mac mit offensichtlich kaputter Grafikkarte, die weisse Striche über das Bild zieht. Eine Hardwareerneuerung wird nicht zu verhindern sein, dann aber stehen Mac und Windows mit ihren höheren Ansprüchen sehr viel schlechter da, als Linux, das sich auch mit älterer und billigerer Hardware begnügen kann.

Linux-Seite

Die Integrations betriebssystemfremder Software ist tatsächlich der einzige Kostenpunkt, der nur bei der reinen Linux-Lösung anfällt, nicht hingegen bei einer Mac oder Windowsvariante. Die Kostenschätzung erscheint mir zwar realistisch, aber ich zweifle daran, dass diese Kosten auch in fünf Jahren noch konstant gleich hoch sein werden, zumindest sollte es dann nicht der Fall sein, wenn sich die Stadt aktiv bei Kanton und Lehrmittelverlagen beschwert und dafür einsetzt, dass künftige Programme auch unter Linux laufen. Tatsächlich fallen diese Kosten an, weil der Kanton einen Fehler gemacht hat: Er müsste die Lehrmittelverlage dazu zwingen, betriebsystemunabhängige Lernsoftware zu entwickeln. Das ist weder eine grosse Sache, noch macht es die Entwicklung teurer, es ist nur etwas, was von Anfang an eingeplant werden muss. Da der Kanton über seinen Lehrmittelverlag diese Kosten verursacht, sollte die Stadt auch beim Kanton vorstellig werden und die Kostenübernahme durch den Kanton verlangen. Ausserdem soll sich die Stadt lautstark weigern, Lernsoftware einzusetzen, die es ihr verunmöglicht, Linux als Betriebssystem einzusetzen. Tatsächlich werden die Computer an den Schulen nicht in erster Linie zum Lernen am Computer benutzt, sondern vielmehr als Ergänzung zum Recherchieren, Bewerbungen schreiben und um den Umgang mit dem Computer zu lernen. Für diesen Hauptnutzen braucht es die Programme der Lehrmittelverlage jedoch nicht, ein Boykott der Stadt wäre ein politisches Signal an den Kanton und die Lehrmittelverlage, ohne nennenswerte Nachteile für die Schulen.

Die Migration der Dokumente beziffert die einmaligen Umstiegskosten, quasi die Einkaufskosten in die Linuxwelt. Zu bedenken ist hier allerdings, dass bei einem Update auf eine neue Version innerhalb von MS-Office ebenfalls Migrationskosten anfallen, wie vorher schon ausgeführt, nur wurde dieser Posten unter «Mac» nicht eingerechnet. Unter Mac fällt ein solcher Posten nach der vorliegenden Berechnung alle fünf Jahre an, wenn die Office-Lizenzen erneuert werden muss. Bei einem Umstieg auf OpenOffice wird dieser Posten etwas höher ausfallen, als bei einem Update innerhalb desselben Programms, es ist nicht so, dass Linux hier um 80.000 Franken teurer wäre als die Mac/MS-Office-Variante.

Die Weiterbildung der Lehrpersonen kann nicht nur für Linux gerechnet werden. Auch unter Mac müssen die Lehrer weitergebildet werden, gerade dann, wenn neue Mac-OS-X- oder Office-Versionen anstehen, also mindestens alle fünf Jahre. Dieser Posten fehlt bei der Mac Variante. Es ist ausserdem falsch, Weiterbildung als einmalige Investition anzusehen. Weiterbildung ist ein dauernder Prozess, diese Kosten fallen wiederkehrend an, und zwar in allen Varianten. Ausserdem ist die Bedienung von Linux und OpenOffice nicht viel anders, als die von Mac und MS-Office. Die Weiterbildungskosten bei beiden Systemen dürften in etwa gleich hoch sein. Ich sehe hier keinen Vorteil für keine der Seiten.

Den technischen Support für Linux teurer auszulegen, als für Mac ist hingegen unrealistisch. Linux setzt sich im Serverbereich in vielen Firmen durch, weil es technisch weniger aufwendig zu betreuen ist, als Windows und Mac. Die Einstiegshürde in Linux ist höher, aber wenn man die geeignet ausgebildeten Fachkräfte hat, kann Linux mit weniger Aufwand und weniger Personal betreut werden. In unserer Firma entwickle ich nicht nur Software, sondern betreibe daneben noch einen Linux Webserver mit der Entwicklungsumgebung für alle Projekte (Trac, Subversion, WebDAV), je einen Linux und Mac Buildserver (CruiseControl), einen weiteren Linux Server, sowie meinen Linux Entwicklungsrechner und zum Testen ein Mac-Book und ein Windows-Rechner. Privat betreibe ich unter Linux einen Webserver, zwei NAS/Mediaserver, sowie einige kleinere Geräte. Ausserdem arbeite ich beruflich und privat seit über 15 Jahren auf dem Desktop mit Unix (Solaris Openlook/KDE, Linux KDE) und seit ich in der neuen Firma bin, sind einige meinem Beispiel gefolgt und haben ihren Arbeitsplatzrechner gegen Ubuntu ausgetauscht. Ich weiss also, wovon ich rede. Müsste ich meine Infrastruktur Mac- oder Windows basiert anbieten, müsste ich die Extraleistungen, die nicht zu meinem Arbeitsprofil gehören, einstellen.

Fazit: Linux-Support inklusive Supportspezialist mag in der Einstiegszeit ein wenig höher liegen, langfristig aber mindestens 20% unter den Kosten für Mac-OS-X, also sind wir hier auf zehn Jahre gerechnet mindestens gleichauf.

Die Kosten sind somit:

Mac
Einheit Anzahl Fr. pro Einheit Lebensdauer Fr. über Planungsdauer
Softwarelizenzen OS 700 60 5 84.000
Softwarelizenzen Office 700 68 5 95.200
Softwarelizenzen Bildbearbeitung 700 37 5 51.800
technischer Support 700 310 1 2.170.000
Weiterbildung Lehrpersonen 400 180 2 360.000
Integration OS-fremder Software 7 0 5 0
Migration Dokumente 1 0 5 0
Total: 2.761.000
Linux
Einheit Anzahl Fr. pro Einheit Lebensdauer Fr. über Planungsdauer
Softwarelizenzen OS 700 0 5 0
Softwarelizenzen Office 700 0 5 0
Softwarelizenzen Bildbearbeitung 700 0 5 0
technischer Support 700 310 1 2.170.000
Weiterbildung Lehrpersonen 400 180 2 360.000
Integration OS-fremder Software 7 5.000 5 70.000
Migration Dokumente 1 80.000 5 80.000
Total: 2.680.000

Einsparungen beim Umstieg auf Linux trotz Migrationskosten: 81.000 Franken

Nicht berücksichtigt sind in dieser Aufstellung sind die Kosten für Betriebssystem- und Softwareupdates. Auch hier hätte Linux mit seiner sanften Migrationsstrategie die Nase vorn. Es ist eine Kleinigkeit, ein Linuxsystem aktuell zu halten. Halbjährliche Betriebssystemupdates (Ubuntu) verursachen nur einen geringen Aufwand und können entfernt über das Internet durchgeführt werden. Bei Mac und Windows hingegen benötigt jeder Umstieg jahrelange Planung, wodurch die Betriebssystemversionen immer weit im Rückstand sind. So setzen viele, IDW inklusive, heute noch das hoffnungslos veraltete und völlig unsichere Windows XP ein. Solche enormen Migrationskosten sind in die Rechnung gar nicht eingeflossen, machen aber einen relevanten Posten aus.

Weitere Optionen und Überlegungen

Terminal-Lösungen wurden gar nicht geprüft, dabei läge hier das grösste Sparpotential, wie z.B. die Schulen in Brasilien zeigen. Dabei geht es darum, Software auf einem leistungsstarken zentralen Server zu betreiben, während die Schulen für den Zugriff nur billigen und leistungsschwache Terminals benötigen. In dieser Lösung steckt viel Zukunftspotential.

Es werden Äpfel mit Birnen verglichen: Lizenzkosten sind Gelder, die ins Ausland abfliessen. Wir zahlen und dürfen dafür ein Programm nutzen, das wir mit Linux auch gratis haben könnten, die lokale Wirtschaft aber profitiert davon rein gar nichts. Schulungen hingegen sind Investitionen in unseren Arbeitsmarkt und in unsere Lehrerschaft. Gelder, die in Schulungen investiert werden, sind sehr viel mehr wert, als Gelder, die als Lizenzen in die USA abgeführt werden. Technischer Support hingegen sind Gelder, die direkt in die Winterthurer Wirtschaft fliessen, entweder in Stellen bei den IDW, oder in Aufträge, welche die Stadt an KMUs aus der Informatikbranche vergibt. In jedem Fall aber ist es Geld, das der Stadt erhalten bleibt und ihre Wirtschaft stärkt. Auch Gelder, die in den technischen Support und die Weiterentwicklung eines Systems investiert werden, sind mehr wert, als Lizenzkosten. Linux punktet nicht nur in den reinen Kosten, sondern auch in der Nachhaltigkeit.

Regen Kameras zu Gewalttaten an?

Ein interessanter Artikel stellt die These auf, dass Kamerabilder Gewalt fördern und nicht etwa abschreckend wirken: Der Freitag: Im Glanz des Kamera-Auges. Die nachvollziehbare Begründung liegt darin, dass durch die Verbreitung der Kamerabilder Taten und Täter berühmt gemacht werden, was in der krankhaften Selbstbezogenheit der Gewalttäter durchaus erwünscht ist. Solch schwere Gewalttaten werden durch die Verbreitung in den Medien berühmt und regen zur Nachahmung an. Durch ihre schockierende Wirkung geben sie die Vorlage für weitere Taten ab. Es entsteht das «Mem» einer bestimmten Tat, die Gesellschaft lernt, dass man unter den gegebenen Voraussetzungen mit den entsprechenden Taten reagieren kann.

Auf die genau gleiche Weise funktionieren Amokläufe: Die Täter erzwingen weltweite Aufmerksamkeit, eine Aufmerksamkeit, die sie im positiven Sinne nie erreichen könnten. Wer sich vernachlässigt fühlt, sehnt sich um jeden Preis nach Aufmerksamkeit, auch wenn sie noch so negativ geäussert wird und im Fall von Amokläufen den eigenen Tod zur Folge hat.

Um dieser Gewaltspirale zu entkommen braucht es unübliche Massnahmen:

  1. Kameras entfernen
  2. Die Medien halten sich in der Berichterstattung über solche Taten zurück
  3. Die Täter werden konsequent zur Rechenschaft gezogen

Wenn die Täter erst gar nicht gefilmt werden und die Berichterstatttung über den X-ten Schläger oder Amokläufer verebbt, sinkt auch das perverse Verlangen auf solche Weise Aufmerksamkeit zu erlangen.