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DRS1: Espresso fordert staatliche Zensur

Mail vom 23.01.2012, Marc Wäckerlin → Espresso:
Sehr geehrtes Espresso

Heute morgen war ich entsetzt, von Euch anlässlich des Berichts über www.bidfun-ch.com die Forderung nach einer umfassenden staatlichen Zensur zu hören.

Will Espresso wirklich, dass der Staat technische Massnahmen ergreift, um Zensur gegen seine Bürger auszuüben? Wollt Ihr wirklich, dass irgendwelche Beamten Zensurlisten erstellen, die in der Regel als Staatsgeheimnis gehütet werden, so dass niemand weiss, was warum gesperrt ist?

Konsumentenfreundlich ist einzig und allein der ungehinderte Zugang zum vollen Internet, ohne jeglichen Zensurmassnahmen. Begleiten kann man das gern mit einer kritischen Berichterstattung und Warnungen vor Betrügern. Was es braucht ist Medienkompetenz, nicht Zensur.

Die Piratenpartei jedenfalls wird jeden Zensurversuch mit allen uns zur Verfügung stehenden politischen und technischen Massnahmen bekämpfen.

Ein Redaktor von Espresso antwortet, Espresso → Marc Wäckerlin

Vielen Dank für Ihr Feedback. Die Forderung stammt nicht von Espresso, sondern vom stellvertretenden Geschäftsführer der Comlot. Es liegt mir als Beitragsmacher fern, jegliche Art von Zensur zu fordern.

Es ging im Beitrag lediglich darum aufzuzeigen, mit welchen Mitteln Betrügern (wie den Betreibern von Bidfun) das Handwerk gelegt werden könnte. Dass bis zu solchen Massnahmen ein langer politischer Weg gegangen werden muss - und dass nur begleitende Massnahmen einen Missbrauch verhindern könnten - dies aufzuzeigen hätte den Rahmen des Beitrags gesprengt.

Replik auf die Antwort, Marc Wäckerlin → Espresso:

Vielen Dank für Ihre rasche Antwort.

Es freut mich, dass Espresso keine Zensur fordert will.

Leider wurde im Bericht die Aussage des Comlot Geschäftsführers nicht kritisch hinterfragt sondern ohne Widerspruch stehen gelassen. Es wurde der Eindruck erweckt, als sei es die einzige Lösung und nur eine Frage der Zeit, bis die Gesetzgebung angepasst worden sei.

Es mag sein, dass der Reporter die Brisanz der Forderung nicht erkannt hat, es wäre aber wünschenswert, bei küntiger Berichterstattung sensibel auf Zensurwünschezu reagieren.

Es wäre zu begrüssen gewesen, wenn die Frage gestellt worden wäre, ob diese Massnahmen auch wünschenswert sind.

Letztlich ist die Vorstellung falsch, man könne alles kontrollieren, was im internet laufe. Genau diese Einstellung führt dazu, dass das Internet immer mehr kontrolliert, überwacht und beschnitten wird. Das kann letztlich auch nicht im Interesse einer offenen Gesellschaft sein.

Ich denke, Espresso sollte sich als Konsumentenmagazin deutlich hinter ein offenes Netz stellen, auch wenn das halt dazu führt, dass man nicht alle Machenschaften effizient bekämpfen kann. Der einzige mögliche Weg wäre hier, internationale Mindestnormen festzuschreiben, die auch dann durchsetzbar wären, wenn der Anbieter im Ausland lebt.

Das geht aber nur für wirklich wichtige Anliegen, wie Kinderporographie, aber sicher nicht für Nebensächlichkeiten, wie ein Lotteriegesetz. Hier sollte man sich damit abfinden, dass die Internationalisierung durch das Internet nationale Gesetzgebungen obsolet macht. Die richtige Konsequenz wäre die nationalen Regelungen zu liberalisieren, also Lotteriegesetze abzuschaffen und Enschränkungen aufzuheben, die sich in einem internationalen Markt nicht aufrecht erhalten lassen.

Letztlich sollte man es den Leuten selbst überlassen, wie sie mit dubiosen Anbietern und Webseiten umgehen wollen. Aufklärung und Medienkompetenz ist da der richtige Weg. Man kann die Leute nicht vor allem schützen, aber man kann sie befähigen, mit Gefahren richtig um zu gehen. Ihr Magazin kann bei dieser Aufklärung eine wichtige Rolle spielen.