MRW

Staatlicher Telefonterror

Ausgangslage

Presse:

Das Bundesamt für Statistik will uns zwingen, an seinen Telefonumfragen teilzunehmen, welche durch eine Privatfirma durchgeführt werden.

Abgesehen davon, dass ein «Telefonierzwang» an und für sich schon neu und verwerflich ist, kommt erschwerend hinzu, dass persönliche Daten von einer privaten Firma erhoben werden.

So trainiert man die Leute, jedem beliebigen Anrufer freimütig Auskunft zu geben, statt sich für das Gegenteil einzusetzen!

Wie reagieren?

Das Bundesamt für Statistik kündet die Telefone zuvor schriftlich an.

Bevor ein Haushalt telefonisch kontaktiert wird, erhält er vom BFS ein Schreiben, in dem die Erhebung angekündigt wird. […] Die Telefonnummer der Hotline wird im Schreiben erwähnt.

Dies lässt einigen Spielraum zu deren Umgehung offen:

  1. Mann kann zum angekündigten Zeitpunkt keine Telefone entgegennehmen, den Stecker ziehen, nicht zu Hause sein.
  2. Wenn man eine Rufnummernanzeige hat, kann man Anrufe von dieser Hotline nicht beantworten.
  3. Wenn man eine Telefonzentrale mit Rufnunmmernblockierung hat (beispielsweise eine FritzBox), kann man Anrufe von der angekündigten Hotline sperren lassen.

Falls man trotzdem antwortet (antworten muss), gibt es nebst der naheliegenden Lösung zu lügen noch die Möglichkeit, die Wahrheit so zu sagen, dass der Gesprächspartner die Geduld verliert: «Wie hoch ist Ihr Einkommen?» «Weiss nicht.» «Das wissen Sie nicht?» «Nö, müsste ich das? Solange das Geld reicht, …» «Sie müssen doch wissen, was Sie verdienen?» «Nein, muss ich nicht. Das steht in meiner Steuererklärung, sehen Sie doch selbst nach.» «Sie müssen diese Frage beantworten!» «Moment, ich muss nachschauen …» — Fünf Minuten später — «Hallo, sind Sie noch da?» «Ja» «Ich kann die Steuererklärung nicht finden. Ist es wirklich wichtig?» (genervt) «Jaaaa…» «Tut mir leid, dann muss ich suchen, ob ich eine Lohnabrechnung finden kann …» — Fünf Minuten später — «Hallo, sind Sie noch da?» «Ja» «Ich kann leider keine Lohnabrechnung finden. Soll ich mich im Internet anmelden und mein Konto prüfen? Das dauert dann aber mindestens zwanzig Minuten …» … u.s.w.

Bei jeder Frage kann man entsprechend vorgehen. «Wieviele Kinder haben Sie?» «Woher soll ich das wissen? … Ich bin ein Mann, ich muss nicht über jedes Kind Bescheid wissen! … Ich frage besser meine Frau. – Gehen Sie aus der Leitung, ich muss meine Frau anrufen und sie fragen!» — Oder «Waren Sie im letzten Jahr arbeitslos?» «Keine Ahnung!» «Ich kann mich nicht daran erinnern.» «Da müsste ich auf meinem Lohnausweis nachschauen … Habe ihn leider nicht gefunden!»

Es ist unhöflich, nur Fragen zu beantworten, ohne Interesse für das Gegenüber zu zeigen! Frage zuerst nach dem Namen und lasse ihn buchstabieren, damit Du ihn aufschreiben kannst. Frage dann nach der Wohnadresse und der privaten Telefonnummer, damit Du Dich melden kannst, falls eine Deiner Antworten korrigiert werden müsste. Sie werden Dir zuerst erklären, dass sie von der Firma Link sind und für das BFS arbeiten. Interessiere Dich für sie! Frage sie über Details der Firma Link aus. Wie heissen die Verwaltungsräte? Wie lange gibt es diese Firma schon? Wieviele Befragungen werden täglich durchgeführt? Aber interessiere ich auch für Dein Gegenüber: Wie lange macht es schon diese Arbeit? Gefällt sie ihm? Was hat es vorher gemacht? Wieviel verdient es? Wird es pro Anruf bezahlt oder im Monatslohn? Wie sind die Arbeitsbedingungen? Hat es schon von der Schweinegrippe gehört, und ob die wohl wirklich so gefährlich sei? Was verdient man mit telefonieren?

Und sollte das Gegenüber Antworten verweigern, dann sei ausdrücklich beleidigt. Erkläre die Sache mit dem «Quid pro quo»! Mache klar, dass Du sehr gerne an der Umfrage teilnehmen willst, sofern Du mit einer höflichen und anständigen Person sprechen darfst, welche Dir auch Deine Fragen beantwortet.

Bedenke: Niemand wählt freiwillig einen Beruf, in dem er acht Stunden pro Tag Menschen am Telefon mit Marketing- und Umfragescheiss belästigen muss. Diese armen Telefonisten sind gescheiterte Existenzen, die ihre Schule abgebrochen und es zu nichts gebracht haben. Rede mit ihnen offen darüber! Sie brauchen Deine Liebe! Frage sie, warum aus ihnen nichts Gescheites geworden ist! Gib ihnen Tipps, wie sie ihr Leben verbessern könnten. Erkläre ihnen genau, an ihrem Beispiel, warum Ausbildung so wichtig ist. Frage sie, ob sie Kinder haben und rede ihnen ins Gewissen, sich sterilisieren zu lassen, unserer aller Zukunft zuliebe. Erzähle ihnen die traurige Schicksal der ausgestossenen Telefonhörerpolierer und Marketingfachleute in Douglas Adams' «Das Restaurant am Rande des Universums», lies ihnen die Passagen am besten gleich vor, und frage sie, ob sie nicht ein ähnliches Schicksal befürchten, und wie sie darauf reagieren würden.

Bedenke: Telefonisten haben diesen Beruf gewählt, weil sie gerne mit Menschen reden. Also rede mit ihnen! Erzähle vom Wetter, rede mit ihnen über Gott und die Welt. Erkläre Deine Lebenseinstellung, und frage sie nach ihrer. Erläutere Deine Lieblingsfilosofie, und frage sie nach ihrer. Sollten sie sich noch nicht entschieden haben, kläre sie über die verschiedenen Denkrichtungen auf. Leite jede Antwort mit einer Anekdote ein. Diskutiere vor jeder Antwort den Sinn der Frage und die Korrektheit der Fragestellung, sowie ihre Interpretationsmöglichkeiten. Sie werden Dir für Deine Menschlichkeit und Dein Einfühlungsvermögen dankbar sein.

In jedem Fall aber sollte man sich schriftlich1) an das Bundesamt für Statistik wenden und eine schriftliche Bestätigung verlangen, dass garantiert wird, dass die erhobenen Daten bei der privaten Firma Link unmittelbar nach deren Übergabe an das Bundesamt gelöscht werden, sowie dass das Bundesamt diese Daten nicht weiter gibt und unmittelbar nach Verwendung löscht oder anonymisiert. Ausserdem sollte man umfassende Auskunft über jeden einzelnen Verwendungszweck verlangen.

1) Bundesamt für Statistik
Espace de l’Europe 10
2010 Neuchâtel